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Das Passionsspiel im 20. Jahrhundert


1900


174.000 Zuschauer. Spielprägend ist der verinnerlichte Ausdruck Anton Langs, des Christus-Darstellers von 1900 bis 1922. Neu ist die gedeckte Zuschauerhalle mit 4.200 Sitzplätzen, eine Eisengerüstkonstruktion mit sechs hohen Bögen, nach vorne offen zur Freilichtbühne. Und: „Oberammergau sieht Gäste aus aller Welt; selbst aus China waren drei Herren eingetroffen.“ (Allgemeine Zeitung) Bezeichnend: Im Opferstock der Kirche finden sich Münzen aus Ägypten, Indien, Hongkong, Dollars aus USA, Mexiko, Brasilien, Bolivien und Sols aus Peru. (29. Spieljahr)

1910


Mit dem Anstieg auf 223.548 Besucher bei 56 Aufführungen erreicht das Spiel am Vorabend des 1. Weltkriegs eine einzigartige Massenwirksamkeit. Die Besucherstruktur gleicht der von 1900. (30. Spieljahr)


Foto: Oberammergauer Kinder "spielen" Passion (Postkarte von 1910)

1922


Wegen der Kriegsfolgen Verschiebung um 2 Jahre. Ein Neuanfang: Man wählt den jungen Bildhauer Georg Johann Lang (1889–1968) zum Spielleiter. Unerwarteter Besucherandrang (311.127, davon ca. 100.000 aus dem Ausland). Prominente Beucher bei den Spielen 1930 sind u. a. Rabindranath Tagore, Henry Ford und Nuntius Pacelli, der spätere Papst Pius XII.  (31. Spieljahr)

1930


Neubau der Bühne und Neuinszenierung durch den 1922-1960 die Spiele leitenden Georg J. Lang (1889-1968). Dem klaren, asketischen, monumentalen Stil der Bühne entspricht die künstlerische Konzentration der Bühnenbilder, dazu kommt eine eindrucksvolle Massenregie. Erweiterung der Zuschauerhalle auf 5.200 Plätze. (32. Spieljahr)

 

 

1934


Bei den Sonderspielen zum 300-jährigen Jubiläum besuchen 400.000 Besucher das Passionsspiel. Adolf Hitler besucht die Passionsspiele. Die neuen Machthaber vereinnahmen das "Spiel aus der segnenden Kraft der Scholle". Hitler erklärt es für "Reichswichtig". Drastische Senkung der Eintrittspreise und Angebot verbilligter Eisenbahnfahrten. Die neuen Machthaber verlangen den Aufdruck "Deutschland ruft Euch!" auf die Plakate und suchen das "bäuerliche Spiel" ideologisch zu vereinnahmen. Kardinal Faulhaber erteilt den offiziellen Lehrauftrag der Kirche, die "missio canonica". Der Versuch einer Texterneuerung durch die Beauftragung von Leo Weismantel (1888–1964) scheitert am Einspruch konservativer Kräfte.
(33. Spieljahr)

1950


Bundeskanzler Adenauer. D. D. Eisenhower.

Die Passion 1950 ist von der vorangegangenen nationalen Katastrophe bestimmt. Sie wird auch als Chance gesehen, einem unerwartet zahlreich wiederkehrenden internationalen Publikum das andere Deutschland, die christlich-abendländische Tradition vorzuzeigen. Entsprechend wird damit eine Ausstellung "1000 Jahre christliche Kunst im Zeichen der Passion" verbunden. Es kommen die politischen Repräsentanten wie Bundespräsident Heuss, Bundeskanzler Adenauer oder der Bayer. Ministerpräsident Ehard. Höchster Repräsentant der Alliierten beim Spiel ist D. D. Eisenhower. Statt zu den ursprünglich vorgesehenen 33 Aufführungen kommt es tatsächlich zu 87 mit ca. 480.000 Besuchern. Trotzdem finden Tausende keinen Einlaß. (34. Spieljahr)

1960


Seitens christlicher wie jüdischer Kritiker wird Oberammergau eine negative Darstellung des Judentums vorgeworfen. Der Ettaler Abt Dr. Johannes M. Höck nimmt kleine Korrekturen am Text vor. Im Grunde aber wird die Inszenierung von 1930 fast unverändert wiederholt. (35. Spieljahr)

1970


In Oberammergau wächst der Wunsch nach einer Erneuerung des Daisenberger-Textes. Kardinal Döpfner fordert ein Umdenken. Nach seinen Worten gehe es nicht "um eine Schuld oder gar Kollektivschuld der Juden, sondern das Versagen auch des neuen Israel, der Kirche." Anton Preisinger leitet das Spiel. Der alte Text bleibt. Alle Reformansätze scheitern. In Amerika kommt es zum Boykott jüdischer Organisationen gegen das Spiel. (36. Spieljahr)    

1977


Die Gemeinde beauftragt Hans Schwaighofer mit einer Aufführung auf der Basis des Rosner-Textes, die sogenannte "Rosner Probe". Der Künstler entwirft Bühnenbilder, Masken, Kostüme. Alois Fink schafft eine Spielfassung und der Komponist Wolfgang Fortner die Musik. Nach siebenmonatigen Proben mit etwa 700 engagierten Mitwirkenden kommt es zu 8 Aufführungen, die von Publikum und Kritik sehr positiv aufgenommen werden. Bei einer anschließenden Bürgerbefragung entscheidet sich allerdings die Mehrheit dagegen, die Rosner-Inszenierung für das Spieljahr 1980 zu übernehmen.

1980


Nach großen innerdörflichen Auseinandersetzungen über die rechte Form der Passionsspiele leitet der Bildhauer Hans Maier auf der Basis des Daisenberger-Textes das Spiel. Kleinere Textänderungen werden vorgenommen. (37. Spieljahr)

1984


Sonderspiel zum 350-jährigen Jubiläum. 1984 gibt es im Gemeinderat einen Generationswechsel , dort entscheidet man sich für das Passionsspiel von 1990 für die Textfassung von Daisenberger. Dann aber kommt es überraschend 1986 zur Wahl des jüngsten Spielleiters aller Zeiten: des damals 25-jährigen Bildhauers Christian Stückl. (38. Spieljahr)

1990


Christian Stückl bringt eine junge Generation von Spielern in die Hauptrollen. Die Auseinandersetzungen um seine Spielleitung nehmen bisweilen dramatische Züge an, seine Abwahl wird knapp verhindert. Allerdings zieht das Komitee die Zustimmung zu dem bereits genehmigten Bühnenbild von A. Kraut nach einer Unterschriftensammlung konservativer Kräfte zurück. Im Vorfeld der Passion sucht eine Textkommission unter Prof. Rudolf Pesch nach Lösungen für weitergehende Anfragen der Antidefamation-League zur Vermeidung von Antijudaismen. Die Frage, ob auch verheiratete und ältere Frauen mitspielen dürfen, wird vom Oberlandesgericht positiv entschieden. 480.000 Besucher. (39. Spieljahr)